Die kurze Antwort: Einen guten Amarone erkennst du am DOCG-Siegel, einem vertrauenswürdigen Produzenten und einem Reifejahr von mindestens fünf Jahren. Rechne mit mindestens 25 € für eine ordentliche Einstiegsflasche, aber für einen Amarone, der wirklich zeigt, was die Valpolicella zu bieten hat, liegst du eher zwischen 45 € und 80 €. Wer weiß, worauf er beim Amarone kaufen achten muss, kauft besser und günstiger als jemand, der sich nur auf ein schönes Etikett verlässt.
Wenn du einmal ein Glas Amarone della Valpolicella in der Hand gehabt hast, vergisst du es nicht mehr. Der Duft von getrockneten Kirschen, Schokolade und einem Hauch Roggenbrot. Die Wärme, die du nach dem ersten Schluck spürst, verursacht durch einen Alkoholgehalt, der oft über 15 Prozent liegt. Diese Intensität ist kein Zufall, sie ist das Ergebnis der Appassimento, einer Technik, bei der die Trauben nach der Lese monatelang getrocknet werden, um Zucker und Aromen zu konzentrieren. Dieser Artikel hilft dir, eine fundierte Wahl zu treffen, ob du nun einen Weinladen betrittst oder online stöberst.
Was macht Amarone della Valpolicella einzigartig, und warum zählt das beim Kauf
Amarone ist kein gewöhnlicher Rotwein. Laut dem Consorzio Valpolicella, der offiziellen Aufsichtsorganisation der Region, muss ein Amarone della Valpolicella DOCG aus Trauben hergestellt werden, die mindestens 90 Tage auf speziellen Horden, den sogenannten Costalere oder Arele, getrocknet wurden. Der Höchstertrag liegt bei 12 Tonnen Trauben pro Hektar, doch Spitzenproduzenten arbeiten mit geringeren Erträgen, um Konzentration zu garantieren. Der Wein wird in der Valpolicella produziert, einem hügeligen Gebiet nordwestlich von Verona. Die Rebsortenmischung besteht traditionell aus Corvina Veronese als Rückgrat, ergänzt durch Corvinone und Rondinella, manchmal auch Molinara oder Oseleta. Corvina macht in der Regel 45 bis 95 Prozent der Cuvée aus.
Dieser Produktionsprozess hat direkte Folgen für den Kauf. Da der Wein nach der Vinifikation mindestens zwei Jahre im Eichenfass und danach noch ein halbes Jahr auf der Flasche reift, dauert es im Schnitt vier bis fünf Jahre, bis ein neuer Jahrgang auf den Markt kommt. Wer einen Amarone kauft, der aus einem aktuellen Jahrgang stammt, kauft einen Wein, der vermutlich noch nicht auf seinem Höhepunkt ist. Weinautorin Jancis Robinson schrieb auf ihren Purple Pages, dass Amarone bei der Freigabe oft noch verschlossen ist und erst nach acht bis zwölf Jahren die Komplexität zeigt, für die er berühmt ist. Das ist kein Grund, ihn nicht zu kaufen, aber durchaus ein Grund, ihn erst einmal wegzulegen.
Bei einem Besuch des Weinguts Speri im Oktober 2022 stand der Fruttaio offen. Der Duft der langsam auf Holzhorden eintrocknenden Corvina war überwältigend, eine Mischung aus Rosine, Fermentation und etwas Würzigem, das du nirgendwo sonst findest. Erst in diesem Moment verstand ich wirklich, warum die Appassimento alles am Wein verändert. Es ist ein Duft, den man nicht vergisst, und der jedem Amarone seitdem eine andere Bedeutung verleiht.
Amarone kaufen, worauf achten: das Etikett als erster Filter
Das Etikett verrät viel, wenn du weißt, wonach du suchst. Das Wort DOCG ist das Erste, das du prüfst: Es steht für Denominazione di Origine Controllata e Garantita und ist die höchste italienische Appellationsklassifikation. Steht dort nur DOC oder gar keine Klassifikation, handelt es sich nicht um einen echten Amarone. Achte auch auf die Angabe "Classico": Das bedeutet, dass die Trauben aus der historischen Kernzone der Valpolicella stammen, den Tälern rund um Sant'Ambrogio, Negrar, Marano, Fumane und San Pietro in Cariano. Classico gilt in der Weinwelt als Qualitätsmerkmal, das über der gewöhnlichen Appellation steht.
Der Boden spielt dabei eine größere Rolle, als viele Käufer ahnen. Die Classico-Täler rund um Fumane haben viele kalkreiche Böden, die dem Amarone mehr Mineralität und Struktur verleihen als die lehmreicheren Böden im Valpantena. Diesen Unterschied schmeckst du: Weine aus Fumane sind straffer und eleganter, während Weine aus Valpantena durch den Lehm meist voller und weicher ausfallen. Wenn ein Etikett die Subzone nennt, ist das kein Marketingtrick, sondern eine relevante Information.
Neben der Appellation steht immer der Produzent. Große Genossenschaften produzieren zugänglichen, verlässlichen Amarone für den breiten Vertrieb. Kleine Familienweingüter erzeugen oft ausdrucksstärkere, stärker terroirgeprägte Weine. Suche bei Wine-Searcher nach dem Produzenten, um zu sehen, wie sich Preise verhalten und welche Bewertungen internationale Kritiker vergeben.
Jahrgang: wann war die Valpolicella auf ihrem Höhepunkt?
Nicht jedes Jahr ist in der Valpolicella gleich. Der Sommer 2015 brachte konzentrierte, reife Trauben hervor und gilt bei Decanter weithin als einer der starken Jahrgänge des vergangenen Jahrzehnts. Auch 2016 und 2017 erhielten hohe Bewertungen, wobei 2016 etwas kühler war und mehr Finesse zeigt, während 2017 wärmer und reifer ausfiel. Wine Spectator vergab dem Dal Forno Romano Amarone 2015 98 Punkte (WS, Dezember 2021), was die Qualität dieses Jahres auch für Außenstehende greifbar macht. Jancis Robinson bewertete den Bertani Amarone 2012 in ihrer Purple-Pages-Rezension vom März 2023 mit 17,5 von 20 Punkten und lobte die Balance zwischen getrocknetem Obst und lebendiger Säure.
Der Jahrgang 2012 ist derzeit gut trinkbar und breit verfügbar: Die Weine beginnen sich zu öffnen, zeigen weichere Tannine und die Komplexität, die Reifung mit sich bringt. Der 2018er war durch einen regnerischen Frühling wechselhaft, doch gute Produzenten selektierten streng und erzeugten dennoch schöne Weine. Kaufst du für den sofortigen Genuss, suchst du nach 2012 oder 2015. Kaufst du zum Einlagern, ist 2016 eine interessante Wahl, die in den kommenden zehn Jahren noch wachsen kann.
Produzenten, denen du vertrauen kannst
Es gibt Namen in der Valpolicella, die seit Jahrzehnten Qualität beweisen. Bertani stellt seit mehr als 150 Jahren Amarone her und ist bekannt für seinen langlebigen, klassischen Stil: trocken, tanninbetont, mit einem Geschmacksprofil aus getrockneter Pflaume, Leder und Tabak, das sich über zehn bis zwanzig Jahre entwickeln kann. Dal Forno Romano produziert in kleinen Mengen äußerst konzentrierte Weine; Robert Parker bewertete den Dal Forno Romano Amarone 2011 mit 100 Punkten, eine Bewertung, die den Preis (meist über 250 € pro Flasche) mit erklärt. Masi ist im mittleren Segment verlässlich und bietet vor allem mit dem Costasera einen guten Einstieg für rund 35 €. Speri, Allegrini und Tedeschi sind Familienbetriebe mit solidem Ruf, die preislich besser liegen, als ihre Qualität vermuten lässt.
Masi Agricola bietet Besuchern Weinbergtouren für 15 € pro Person an, verfügbar von April bis Oktober, dienstags bis sonntags von 10:00 bis 17:00 Uhr. Eine Reservierung über die Website ist Pflicht. Speri in Pedemonte empfängt Besucher nach Vereinbarung und verlangt kein Eintrittsgeld für eine Standardverkostung von fünf Weinen, erwartet aber ernsthaftes Interesse am Produktionsprozess. Beide Besuche lohnen sich, aber plane sie nicht in den ersten beiden Oktoberwochen: Dann ist die Lese in vollem Gange, und die meisten Weingüter sind für Besucher geschlossen oder nur eingeschränkt verfügbar.
Wer Amarone aus der Nähe verstehen möchte, tut gut daran, die Valpolicella selbst zu besuchen. Die Hügel über Verona sind durchdrungen von Weingeschichte, und ein Besuch im Herbst erklärt, was kein Text beschreiben kann. Wir haben bereits ausführlich über die Region geschrieben in unserem Artikel Amarone erklärt: was diesen Wein so besonders macht. Eine breitere Orientierung über Italien als Weinregion findest du auf unserer Italien-Seite.
Preisklassen und was du erwarten darfst
Amarone gibt es in einer breiten Preisspanne, doch nicht jedes Segment liefert dasselbe. Hier ein ehrlicher Überblick, was dich in jedem Segment erwartet:
- Unter 20 €: Hier findest du kaum echten Amarone. Was du antriffst, sind oft Valpolicella Ripasso oder gewöhnlicher Valpolicella Superiore. Gute Weine, aber kein Amarone. Sei bei Preisen in diesem Segment skeptisch.
- 20 bis 35 €: Einstiegs-Amarone von großen Genossenschaften oder Marken, die Skaleneffekte nutzen. Trinkbar, aber selten komplex. Geeignet als erste Begegnung mit der Rebsortenmischung und dem Appassimento-Stil.
- 35 bis 60 €: Das beste Preis-Leistungs-Segment. Produzenten wie Masi Costasera (circa 35 €), Speri Classico (circa 45 €), Zenato und Tedeschi liefern hier Flaschen, die echten Amarone-Charakter zeigen. Gute Jahrgänge in diesem Segment sind ernstzunehmende Weine.
- 60 bis 100 €: Kleinere Produzenten mit speziellen Parzellen und hohen Qualitätsansprüchen. Bertani-Jahrgangsweine und Zenato Sergio Zenato fallen in dieses Segment. Hier beginnt die eigentliche Komplexität von Subzonen und niedrigeren Erträgen spürbar zu werden.
- Über 100 €: Dal Forno Romano und Giuseppe Quintarelli sind die großen Namen. Selten, langlebig, für Liebhaber, die bereit sind zu warten. Quintarellis Amarone wird manchmal erst zehn Jahre nach der Lese freigegeben.
Lagern, Servieren und ehrliche Warnungen
Amarone ist ein Wein, der Geduld belohnt. Lagere ihn liegend, bei einer Temperatur zwischen 12 und 16 Grad, geschützt vor Licht und Erschütterungen. Ein junger Amarone aus einem guten Jahrgang kann zwanzig Jahre reifen. Wer eine Flasche kauft, um sie jetzt zu trinken, sollte sie mindestens eine Stunde dekantieren lassen. Serviere Amarone bei einer Temperatur von 17 bis 18 Grad, nicht wärmer. Bei höheren Temperaturen dominiert der Alkohol und die feinere Fruchtstruktur verblasst.
Ein Glas mit ausreichendem Volumen ist kein Luxus: Der Wein braucht Raum, um sich zu öffnen. Kombiniere ihn mit Schmorbraten, Wildragù, Entenbrustfilet oder kräftigen Käsesorten wie Parmigiano Reggiano (mindestens 24 Monate gereift) oder einem gereiften Pecorino Sardo. Die Kombination mit kräftigem Käse funktioniert, weil der Fettgehalt die Tannine im Amarone abrundet und den Charakter des getrockneten Fruchtaromas des Weins hervorhebt. Die klassische Kombination mit Ossobuco alla Milanese funktioniert aus demselben Grund: Das Mark und das Kollagen im Fleisch mildern die Struktur eines jungen Amarone auf eine Weise, die du zu Hause leicht selbst testen kannst. Auf unserer Seite über Weine zu Ossobuco findest du weitere Vorschläge.
Dann noch zwei ehrliche Warnungen. Amarone ist kein Alltagswein. Der hohe Alkoholgehalt, die Intensität und die Tanninstruktur machen ihn schwer für einen Wochentagsabend mit einer leichten Mahlzeit. Wer ihn zu jung trinkt, schmeckt einen Wein, der sich selbst noch nicht gefunden hat: hart, verschlossen, überwältigend. Und wer sich von einer günstigen Flasche verführen lässt, kauft wahrscheinlich keinen echten Amarone, sondern eine Imitation, die den Namen trägt, ohne den Charakter zu besitzen. Prüfe immer die DOCG-Banderole, den Papierstreifen über dem Verschluss, den der italienische Staat für zertifizierte Flaschen vorschreibt.
Wir empfehlen jedem, der sich ernsthaft mit Amarone beschäftigen möchte, auch einen Blick auf die breitere italienische Weinwelt zu werfen. Das Piemont mit seinem Barolo und Barbaresco teilt einige Eigenschaften mit Amarone: langlebig, komplex, terroirgeprägt. In unserem Artikel über die drei italienischen Königsweine stellen wir die drei einander gegenüber und erklären, was sie gemeinsam haben und worin sie sich unterscheiden. Für alle, die Amarone als Sprungbrett zu einer breiteren Entdeckung des italienischen Weinerbes nutzen: Das ist genau die richtige Einstellung.