Bezahlter Beitrag. Diesen Artikel erstellen wir in Zusammenarbeit mit Josephinenhütte. Sie haben uns ein Tasting-Set mit vier Gläsern geschickt, um es neben unsere eigenen Gläser zu stellen. Was wir schmecken und wie wir es bewerten, entscheiden wir selbst. Die Links zu ihrem Webshop sind Partnerlinks.
Es begann im Ahrtal. Bei einer Verkostung im Weingut Meyer-Näkel wurden uns die Weine in einem Glas von Josephinenhütte eingeschenkt, und wir hatten beide dasselbe Gefühl: Hier kommt deutlich mehr Duft aus dem Glas, als wir es gewohnt sind. Das lässt einen nicht mehr los. Als Josephinenhütte dann vorschlug, ihre Gläser einmal richtig neben unsere eigenen zu stellen, mussten wir nicht lange überlegen.
Wir gehen das in Ruhe an, ein Glas nach dem anderen. Heute das erste: die Josephine No. 4, das Champagnerglas. Und weil man so einen Test nicht mit der erstbesten Flasche macht, haben wir etwas ganz Besonderes entkorkt.
Die Flasche: Champagne José Boutillat Brut Millésimé 1979
Ein Vintage-Champagner von 47 Jahren, von einem kleinen Winzer aus Morangis, einem Dorf knapp südlich von Épernay. Kein großes Champagnerhaus also, sondern ein récoltant, der seine eigenen Trauben verarbeitete. Wir haben die Flasche über einen befreundeten Champagnerhändler bekommen, La Maison du Champagne, der alte Jahrgänge wie kein anderer kennt und bewahrt. Große Chance, dass wir demnächst gemeinsam mit ihm ein Wine Drop machen.
Ehrlich gesagt vorab: Ein Champagner dieses Alters ist keine frische Aperitif-Blase mehr. Man trinkt eigentlich einen gereiften Schaumwein, der aromatisch Richtung alter weißer Burgunder, Sherry und sogar Cognac geht. Die Mousse ist fast verschwunden, und die Farbe ist tiefgold mit einem kupferfarbenen Schimmer, fast wie ein alter Sauternes. Das gehört dazu. Mehr noch: Gerade bei einem Wein mit vielen tertiären Aromen kann das Glas den Unterschied machen. Deshalb ist dies der perfekte Kandidat für diesen Test.
Der Aufbau: links normal, rechts Josephine
Links steht ein Schott-Zwiesel-Weißweinglas, das Glas, aus dem wir zu Hause normalerweise Champagner trinken. Flûtes benutzen wir schon seit Jahren nicht mehr, also ist das ein ehrlicher Vergleich mit dem, was bei vielen Weinliebhabern auf dem Tisch steht. Rechts die Josephine No. 4. Gleiche Flasche, gleiche Menge, gleiche Temperatur, gleicher Abend.
Das Erste, was auffällt, ist die Form. Die No. 4 hat einen breiten Bauch, der tief im Glas sitzt, darüber eine deutliche Verengung mit dem charakteristischen Knick der Josephine-Serie, und eine relativ kurze Öffnung. Das Glas ist dünn, leicht und fühlt sich in der Hand eher wie ein Probierglas an als wie ein Champagnerglas. Mit 400 Millilitern Inhalt und 24 Zentimetern Höhe ist es auch deutlich größer als eine Flûte.
Was wir rochen und schmeckten
Aus dem Schott-Zwiesel-Glas kam ein ordentlicher, gereifter Champagner. Getrocknete Früchte, etwas Honig, leicht nussig. Gut, aber nicht spektakulär. Man riecht vor allem die dominanten Schichten, der Rest bleibt eher im Hintergrund.
Aus der No. 4 kam derselbe Wein deutlich breiter und tiefer. Geröstete Nüsse, geröstetes Brot, Karamell, Honig, und dahinter eine Schicht, die wir am besten als alten Kaffee und getrocknete Aprikose beschreiben können. Viel mehr Komplexität, und vor allem: Die Düfte kommen gebündelt zur Nase, statt sich über eine große Fläche zu verteilen. Frank brachte es treffend auf den Punkt: Im linken Glas riecht man einen alten Weißwein, im rechten Glas riecht man einen gereiften Champagner.
So sahen unsere Notizen nebeneinander aus:
| Merkmal | Schott-Zwiesel-Weißweinglas | Josephine No. 4 |
|---|---|---|
| Intensität des Dufts | Durchschnittlich | Deutlich höher |
| Geröstete Noten | Subtil vorhanden | Ausgeprägt |
| Karamell und Honig | Eine Schicht | Geschichtet, mit geröstetem Brot dahinter |
| Oxidative Töne | Breit verteilt, etwas flach | Konzentriert und präzise |
| Gesamteindruck | Alter Weißwein | Komplexer, gereifter Champagner |
Warum das Glas das bewirkt
Wichtig zu betonen: Ein Glas erzeugt keine neuen Aromen. Alles, was wir in der No. 4 rochen, war auch im anderen Glas vorhanden. Der Unterschied liegt darin, wie diese Aromen deine Nase erreichen.
Der breite, tiefe Bauch gibt dem Wein eine große Kontaktfläche mit Luft, wodurch flüchtige Aromastoffe leichter freigesetzt werden. Die Verengung darüber konzentriert diese Stoffe, und die kurze Öffnung bringt sie gebündelt zur Nase. Josephinenhütte selbst nennt das einen verkürzten Aromakamin und sagt, dass das Glas vor allem die Autolyse-Aromen hervorhebt: Brioche, Brot, Keksteig. Das sind genau die Töne, die während der langen Reifung auf der Hefe entstehen. Bei einem Champagner von 47 Jahren kommen dazu die oxidativen Töne von Nüssen, Trockenfrüchten und Kaffee, und diese beiden verstärken sich in diesem Glas wunderbar gegenseitig.
In einem geraden, offenen Weißweinglas passiert das Gegenteil. Die Aromen verteilen sich über eine größere Fläche und erreichen die Nase weniger konzentriert. Der Wein wirkt dadurch flacher, vor allem bei subtilen tertiären Aromen. Willst du mehr darüber erfahren, wie Autolyse und Reifung den Geschmack von Bubbles bestimmen, lies auch unsere Erklärung zu Schaumwein.
Das Glas und der Mann dahinter
Die Josephine-Serie wurde von Kurt Josef Zalto entworfen, einem Glasmacher der sechsten Generation einer Familie, deren Wurzeln in der venezianischen Glaskunst liegen. Er wuchs im österreichischen Glasbläserdorf Bad Zell im Waldviertel auf und arbeitete nach eigenen Angaben über dreißig Jahre am perfekten Glas, mit Hunderten Prototypen als Zwischenschritte. 2019 gründete er Josephinenhütte mit. Seine Geschichte lohnt sich zu lesen.
Die Gläser werden mundgeblasen aus bleifreiem Glas in europäischen Glashütten gefertigt. Der Knick im Kelch ist das Markenzeichen: Beim Schwenken wirkt er wie ein Wellenbrecher, sodass der Wein viel Sauerstoff aufnimmt. Neben Champagner eignet sich die No. 4 laut Hersteller auch für andere feine Bubbles wie Franciacorta, Sekt und Cava sowie für edelsüße Weine wie Auslese, Tokaji und Sauternes. Das werden wir sicher noch ausprobieren.
Ehrlich über die Nachteile
Eine Josephine No. 4 kostet 68 Euro pro Glas. Das ist viel Geld für ein Weinglas, und das muss man einfach ehrlich sagen. Das Tasting-Set mit allen vier Gläsern kostet 250 Euro. Man kauft also kein Sechserset für eine Party, sondern ein paar Gläser für die Flaschen, auf die es wirklich ankommt.
Das Glas ist außerdem dünn und leicht. Das fühlt sich fantastisch an, verlangt aber Vorsicht. Laut Hersteller ist es spülmaschinenfest, aber Handwäsche wird empfohlen, und das würden auch wir tun. Und die Form ist groß: Wer am Bild einer schlanken Flûte auf dem Tisch hängt, muss sich erst daran gewöhnen.
Zu guter Letzt: Bei einem jungen, einfachen Prosecco oder einem frischen Crémant zum Apéro fällt der Unterschied weniger auf. Da geht es um Frucht und Frische, nicht um Schichtung. Dieses Glas kommt bei Champagnern mit Reife, Alter und Komplexität voll zur Geltung. Welche Bubbles zu welchem Anlass passen, liest du in unserem Guide über französischen Schaumwein.
Was macht einen Champagner aus 1979 so besonders?
1979 gilt in der Champagne im Allgemeinen als guter bis sehr guter Jahrgang, mit Weinen, die genug Struktur und Säure hatten, um lange zu reifen. Aber 47 Jahre sind auch für ein gutes Jahr außergewöhnlich lang. Längst nicht jede Flasche dieses Alters ist noch angenehm trinkbar, und wir wissen zudem nicht, wann diese Flasche degorgiert wurde. Das macht einen erheblichen Unterschied dafür, wie sich der Wein in all den Jahren entwickelt hat.
Dass diese Flasche so schön war, sagt also auch etwas über Herkunft und Lagerung aus. Wenn du selbst einmal so einen alten Jahrgang probieren möchtest, kaufe bei einem Händler, der die Herkunft kennt und bereit ist, zu erzählen, wie die Flasche gelagert wurde. Oder plane einfach einen Besuch in der Champagne, wo kleine Produzenten oft noch ältere Jahrgänge im Keller liegen haben.
Unser Fazit
Die Josephine No. 4 lohnt sich sehr für exklusive und gereifte Champagner. Der Unterschied zu unserem gewöhnlichen Weißweinglas war größer, als wir vorab dachten: mehr Duft, mehr Schichten, mehr Präzision. Für die Flaschen, auf die man sich freut, ist das genau das Glas, das man dabei haben möchte.
Das war das erste von vier Gläsern. In nächster Zeit nehmen wir auch das Weißwein- und das Rotweinglas unter die Lupe, mit demselben Aufbau: eigenes Glas links, Josephine rechts, und einfach ehrlich aufschreiben, was wir riechen und schmecken. Wir sind sehr gespannt auf eure Erfahrungen. Hast du selbst schon einmal aus einem Josephinenhütte-Glas getrunken? Lass es uns wissen.
Selbst ausprobieren? Die Josephine No. 4 bestellst du bei Josephinenhütte, einzeln oder als Teil des Tasting-Sets. Auf der Suche nach einer guten Flasche, die du darin servieren kannst? Schau dir unsere Top-Liste der Schaumweine an.
