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Jenseits von Chardonnay und Merlot: warum lokale Rebsorten deine Weinreise spannender machen

Chardonnay und Merlot kennst du längst. Gerade die Rebsorten, die du nicht kennst, machen eine Weinreise interessant: Sie erzählen etwas über die Region, das Klima und die lokale Küche. Über Timorasso, Pelaverga und das Projekt, bei dem 365 Rebsorten an 365 Tagen verkostet werden.

Das Dorf Barolo zwischen den Weinbergen der Langhe im Piemont

Wer regelmäßig Wein trinkt, kennt die großen Namen. Chardonnay, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Riesling. Gut zu wissen, aber auf einer Weinreise sind es oft gerade die Rebsorten, die du nicht kennst, die am spannendsten sind.

Denn hinter Namen wie Timorasso, Baga, Trepat oder Négrette steckt meist viel mehr als nur ein anderer Geschmack. Sie erzählen etwas über die Region, in der du gerade bist, über das Klima, die lokale Küche und manchmal über Jahrhunderte Weinbaugeschichte.

Wie groß diese Welt der unbekannten Rebsorten eigentlich ist, zeigt gerade ein Projekt der niederländischen Weinhandlung Wijnboodschap.nl eindrucksvoll. Sie versucht ein Jahr lang, jeden Tag Wein aus einer anderen Rebsorte zu verkosten. Keine 365 verschiedenen Weine aus denselben bekannten Sorten also, sondern tatsächlich 365 unterschiedliche Rebsorten.

Und wer sich einmal mit dieser Liste beschäftigt, entdeckt schnell, dass so gut wie jede Weinregion noch ein paar Rebsorten zu bieten hat, von denen du wahrscheinlich noch nie gehört hast.

Die kurze Antwort

Eine lokale Rebsorte ist eine der schönsten Möglichkeiten, eine Weinregion besser kennenzulernen. Viele Sorten haben gerade dort überlebt, weil sie gut zum lokalen Klima, zum Boden und zur Art der Weinbereitung passen.

Siehst du also auf einer Weinreise eine Rebsorte auf der Karte, die du nicht kennst? Dann bestell genau die.

Eine Rebsorte ist eigentlich eine kleine Landkarte

Nimm das Piemont. Jeder kennt Nebbiolo wegen Barolo und Barbaresco. Doch wer dort unterwegs ist, begegnet auch Barbera, Dolcetto, Arneis, Timorasso, Nascetta und Pelaverga.

Manche dieser Sorten sind stark mit einem bestimmten Gebiet, Dorf oder sogar nur einer Handvoll Erzeuger verbunden. Außerhalb ihrer eigenen Region findest du sie kaum.

Kirchturm und Dächer eines Weindorfs im Piemont, mit Weinbergshügeln bis zum Horizont

Dasselbe siehst du anderswo. Portugal steckt voller Rebsortennamen, die du in Deutschland kaum je auf einem Etikett siehst. Spanien hat neben Tempranillo und Verdejo Dutzende lokaler Spezialitäten. Und selbst in Frankreich, wo viele der bekanntesten Rebsorten der Welt herkommen, stößt du in kleinen Appellationen plötzlich auf Sorten, von denen du noch nie gehört hast.

Für einen Weinreisenden macht das die Auswahl gerade spannend. Du probierst nicht nur einen anderen Wein, sondern auch etwas, das zu diesem Ort gehört.

Warum trinken wir zu Hause dann immer dieselben Rebsorten?

Zu einem großen Teil, weil die Weinwelt im Laden oder auf einer Weinkarte viel kleiner wirkt, als sie tatsächlich ist.

Eine relativ kleine Zahl internationaler Rebsorten dominiert das Angebot. Verständlich: Verbraucher erkennen den Namen und wissen ungefähr, was sie erwarten können.

Dadurch entsteht aber leicht der Eindruck, die Weinwelt bestehe hauptsächlich aus zwanzig oder dreißig bekannten Rebsorten.

Dieses Bild ändert sich schnell, sobald du reist.

Geh in einer lokalen Enoteca, Cave oder Vinoteca nicht gleich zur bekanntesten Appellation, sondern frag, welche Rebsorte typisch für die Gegend ist. Die Chancen stehen gut, dass du etwas entdeckst, wonach du zu Hause nie selbst gesucht hättest.

Kann man wirklich 365 verschiedene Rebsorten verkosten?

Genau das ist die Herausforderung hinter dem Projekt 365 Rebsorten in 365 Tagen von Wijnboodschap.

Jeden Tag wird ein Wein aus einer anderen Rebsorte verkostet und gefilmt. Dabei muss der Wein zu mindestens 90 Prozent aus der jeweiligen Rebsorte bestehen, damit die Sorte auch wirklich erkennbar im Mittelpunkt steht.

Bekannte Rebsorten sind natürlich dabei, aber vor allem die weniger bekannten Namen machen das Projekt interessant. Auf der Liste erscheinen Rebsorten unter anderem aus Georgien, Portugal, Italien, Griechenland, Armenien, Kroatien und allerlei anderen Weinländern, die selbst leidenschaftliche Weinliebhaber nicht alle kennen dürften.

Und 365 verschiedene Rebsorten zu finden, erweist sich gar nicht als die größte Herausforderung. Weltweit gibt es noch viel mehr.

Schwierig ist vor allem, eine Flasche zu finden, in der sich so eine Rebsorte tatsächlich einzeln verkosten lässt. Lokale Sorten verschwinden regelmäßig in Verschnitten, werden nur noch von wenigen Erzeugern angebaut oder sind außerhalb ihrer eigenen Region kaum erhältlich.

Genau deshalb ist eine Weinreise ein so guter Ort, um sie zu entdecken.

Nicht jede unbekannte Rebsorte wird dein neuer Favorit

Das gehört natürlich auch dazu.

Eine unbekannte Rebsorte zu bestellen ist keine Garantie für einen besseren Wein. Manche Entdeckungen willst du am liebsten sofort mit nach Hause nehmen, andere musst du vielleicht nie wieder trinken.

Außerdem ist die Rebsorte nur ein Teil des Geschmacks. Zwei Weine aus derselben Sorte können sich durch Klima, Boden, Erntezeitpunkt, Holzausbau und vor allem die Entscheidungen des Winzers deutlich unterscheiden.

Deshalb lohnt es sich, eine lokale Rebsorte nicht nach einem einzigen Glas abzuschreiben.

Probier auf einer Reise zum Beispiel dieselbe Rebsorte bei zwei Erzeugern. Oder vergleiche eine einfache regionale Version mit einem anspruchsvolleren Wein aus einem bestimmten Dorf oder einer bestimmten Parzelle. So entdeckst du viel schneller, was typisch für die Rebsorte ist und was vom Winzer oder vom Ort kommt.

So entdeckst du lokale Rebsorten auf einer Weinreise

Verkostungsraum zwischen den Portweinfässern in einem Weinkeller in Porto

Dafür musst du zum Glück kein Rebsortenlexikon auswendig lernen.

Frag bei einem Weingut einfach:

Welche Rebsorte baut ihr hier an, die ich außerhalb dieser Region fast nirgendwo finde?

Das führt oft zu einem spannenderen Gespräch als die Frage, welcher ihrer Weine der beste ist.

Auch in einem Restaurant kannst du bewusst einmal einen unbekannten Namen auf der Weinkarte wählen. Frag, was daran lokal ist und warum diese Rebsorte gerade dort wächst.

Und stößt du auf eine besondere Flasche? Mach ein Foto vom Etikett. Am besten auch von der Rückseite. Dort findest du oft den Erzeuger, die Appellation und die Rebsortenzusammensetzung, genau die Informationen, die du brauchst, wenn du den Wein zu Hause wiederfinden willst.

Lass hin und wieder die Rebsorte deine Route bestimmen

Normalerweise planen wir eine Weinreise ausgehend von einer Region. Erst Piemont, Burgund oder den Douro, danach schauen wir, was es zu verkosten gibt.

Du kannst es auch einmal umdrehen.

Entdeckst du zu Hause eine besondere Rebsorte, dann finde heraus, woher sie stammt. Plötzlich gibt dir so ein Name auf einem Etikett einen Grund, eine weniger bekannte Weinregion zu besuchen.

Und das ist vielleicht das Schönste an diesen Hunderten unbekannten Rebsorten: Hinter so gut wie jedem Namen steckt irgendwo ein Ort, an dem diese Rebsorte gar nicht etwas Besonderes ist, sondern einfach Teil der lokalen Weinkultur.

Genau dort willst du ihn eigentlich einmal trinken.

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Door Kevin & Frank van Wijntripje

Wij reizen zelf door de Europese wijnstreken; bij wijnhuizen en wijnen zie je precies wat we zelf bezochten en proefden. Lies mehr über uns und unsere Arbeitsweise