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Naturwein erklärt: was es ist und wo du anfangen solltest

Naturwein ist ein Begriff, der immer häufiger auf Speisekarten auftaucht, aber was bedeutet er eigentlich? Lies alles über die Philosophie hinter Naturwein, den Unterschied zu Bio und biodynamisch, und wie du als Einsteiger am besten beginnst.

Naturwein erklärt: was es ist und wo du anfangen solltest

Die kurze Antwort: Naturwein ist Wein, der mit so wenig Eingriffen wie möglich hergestellt wird, sowohl im Weinberg als auch im Keller. Das bedeutet Anbau ohne synthetische Pestizide oder Kunstdünger und Vinifikation ohne Reinzuchthefen, Mikrofiltration oder nennenswerte Schwefelzugabe. Eine offizielle Definition oder geschützte Bezeichnung gibt es nicht, daher entscheiden Arbeitsweise und Absicht des Produzenten darüber, ob ein Wein wirklich in diese Kategorie fällt.

Naturwein ist ein Begriff, dem du heutzutage auf immer mehr Weinkarten begegnest, aber was genau damit gemeint ist, bleibt für viele Weinliebhaber unklar. Das ist nicht verwunderlich. Es gibt keine offizielle Definition, keine geschützte Bezeichnung, keine europäische Gesetzgebung, die festlegt, wann ein Wein das Label "Naturwein" verdient. Dennoch steckt eine erkennbare Philosophie dahinter, und die lohnt sich zu verstehen, bevor du eine Flasche öffnest.

Was Naturwein eigentlich ist, und was nicht

Der Kern der Bewegung ist einfach: so wenig Eingriffe wie möglich, sowohl im Weinberg als auch im Keller. Das beginnt beim Anbau der Trauben ohne synthetische Pestizide, Herbizide oder Kunstdünger. Im Keller geht das Prinzip weiter: keine oder kaum zugesetzte Schwefel, keine Reinzuchthefen, keine Chaptalisierung, keine Mikrofiltration, keine kommerziellen Enzyme. Was übrig bleibt, ist fermentierter Traubensaft mit möglichst viel Charakter des Ortes, an dem die Trauben gewachsen sind.

Was Naturwein ausdrücklich nicht ist, ist ein Gütesiegel. Es gibt keine Zertifizierung, die den Begriff schützt, obwohl Organisationen wie La Renaissance des Appellations und der französische Verband AVN (Association des Vins Naturels) ihre eigenen Richtlinien anwenden. Importeure und Gastronomen gehen mit dem Begriff manchmal locker um, was Verwirrung stiftet. Eine Flasche mit einem eigenwilligen Etikett und niedriger Schwefelzugabe ist nicht automatisch ein Naturwein. Die Absicht und die Arbeitsweise des Produzenten zählen.

Der Unterschied zu Bio und biodynamisch

Biowein bezeichnet einen zertifizierten Anbau ohne synthetische Pflanzenschutzmittel. In der EU ist dies über die Verordnung (EG) Nr. 834/2007 geregelt und später in der Verordnung (EU) 2018/848 aktualisiert worden. Biologische Winzer dürfen im Keller weiterhin Reinzuchthefen, Säureregulierung und erhebliche Mengen zugesetzten Schwefels verwenden. Das Zertifikat sagt also etwas über den Weinberg aus, nicht unbedingt darüber, was danach geschieht.

Biodynamisch geht einen Schritt weiter. Es basiert auf der Landwirtschaftslehre von Rudolf Steiner aus dem Jahr 1924 und wird von der Zertifizierungsstelle Demeter verwaltet. Biodynamische Winzer arbeiten nach einem kosmischen Kalender, verwenden spezifische Präparate aus Kompost und Kräutern und betrachten das Weingut als geschlossenen Organismus. Auch hier sagt der Keller nichts über das Endergebnis aus: Viele biodynamische Weine werden durchaus gefiltert und geschwefelt. Wer Wein verkosten lernt, merkt schnell, dass die Grenze zwischen diesen drei Kategorien in der Praxis vager ist als auf dem Papier.

Kurzum: Fast jeder Naturwein ist biologisch oder biodynamisch angebaut, aber nicht jeder biologische oder biodynamische Wein ist ein Naturwein. Der Schlüssel liegt darin, was im Keller passiert.

Warum Naturwein anders schmeckt

Das Fehlen von Reinzuchthefen ist einer der entscheidendsten Faktoren. Kommerzielle Hefen sind auf Vorhersehbarkeit, Geschwindigkeit und die Betonung fruchtiger Aromen selektiert. Wilde Hefen, die von der Schale der Traube selbst oder aus der Luft im Keller stammen, arbeiten langsamer und produzieren ein breiteres Spektrum an Geruchsmolekülen. Das führt zu Weinen, die manchmal widerspenstiger, erdiger oder fermentativer riechen. Manchmal schmeckst du etwas, das an Cidre oder Sauerteig erinnert. Das ist kein Fehler, sondern eine Stilentscheidung.

Ein zweiter Faktor ist die begrenzte Schwefelzugabe. Schwefel schützt Wein vor Oxidation und bakteriellen Fehlentwicklungen. Ohne oder mit wenig Schwefel ist der Wein anfälliger für Temperaturschwankungen und kann sich schneller entwickeln. Das verleiht manchen Naturweinen eine leicht trübe, lebendige Qualität, die klassische Weintrinker überraschen kann. In einem Restaurant in Paris probierte ich einmal einen Orange Wine aus der georgischen Region Kachetien, der beim Öffnen nach nasser Rinde und Apfelmus roch, aber nach einer halben Stunde im Glas feine Noten von Aprikose und Tee zeigte. Diese Art der Entwicklung ist typisch für diesen Weintyp.

Orange Wine, auch bernsteinfarbener Wein genannt, ist technisch gesehen eine Unterkategorie der Naturweinbewegung, auch wenn nicht alle Orange Wines per Definition "Naturwein" sind. Es handelt sich um weiße Trauben, die auf der Schale vergoren wurden, wodurch Tannin und Farbstoff an den Wein abgegeben werden. Wenn du mehr darüber lesen möchtest, ist unsere Erklärung zu Pétillant Naturel und anderen Schaumweinstilen eine gute Ergänzung, denn Pet-Nat wird fast immer in der Naturweintradition hergestellt.

Ehrliche Anmerkungen: Variabilität und Haltbarkeit

Wer ehrlich über Naturwein spricht, muss auch die Grenzen benennen. Variabilität ist der wichtigste Punkt. Weil im Produktionsprozess weniger gesteuert wird, gibt es mehr Chancen auf Abweichungen. Muffige Gerüche, übermäßige flüchtige Säure, ein zu kräftiger Brettanomyces-Ton oder schlicht ein Wein, der nicht gut gelungen ist: Das kommt vor. Manche Produzenten liefern von Jahrgang zu Jahrgang stark schwankende Ergebnisse, abhängig vom Wetter, der Gesundheit der Gärung und den getroffenen Entscheidungen.

Haltbarkeit ist ein zweiter Punkt, auf den du achten solltest. Weine ohne Schwefel sind empfindlicher. Kaufst du eine Flasche im Weinfachhandel, frag immer nach den Transportbedingungen und lagere den Wein kühl und dunkel. Leg ihn nicht für mehrere Jahre weg, es sei denn, du weißt sicher, dass der Produzent seine Weine für eine lange Reifung bestimmt hat. Das gilt manchmal für erfahrene Macher wie Frank Cornelissen am Ätna oder Overnoy im Jura, ist aber keineswegs auf jede Flasche übertragbar.

Die Weinkritikerin Jancis Robinson nannte die Bewegung in einer Kolumne in der Financial Times "genuinely exciting but also genuinely risky", eine Formulierung, die die Spannung gut zusammenfasst. Robert Parker war historisch skeptischer, auch wenn sein Nachfolgerplattform Wine Advocate in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit auf Produzenten gerichtet hat, die außerhalb der konventionellen Stile arbeiten. Es ist nicht so, dass ein Lager recht hat: Sowohl der klassische als auch der naturnahe Ansatz können zu denkwürdigen oder enttäuschenden Weinen führen.

Einsteigerflaschen und wo du sie trinkst

Wenn du zum ersten Mal mit Naturwein in Kontakt kommen möchtest, gibt es ein paar Stile, die zugänglich sind, ohne zu viel von dir zu verlangen. Ein Pétillant Naturel aus Chenin Blanc aus dem Loiretal, leicht perlend, frisch und mit wenig Schwefel, ist ein ausgezeichneter Einstiegspunkt. Gamay aus dem Beaujolais von Produzenten wie Marcel Lapierre oder Jean Foillard ist fruchtig, leicht und unmittelbar ansprechend. Ein Gamay aus dem Beaujolais dieser Güteklasse kostet in der Regel zwischen zwölf und zwanzig Euro. Auch Orange Wines von vertrauenswürdigen kleinen Häusern aus Slowenien oder Italien bieten eine sanfte Einführung in den Stil.

Wo trinkst du sie am besten? In einer Weinbar, die sich auf kleine Produzenten spezialisiert hat und eine gute Umschlaggeschwindigkeit hat. Das ist wichtiger, als du vielleicht denkst: Eine Flasche Naturwein, die schon einen Monat offen ist oder schlecht gelagert wurde, vermittelt ein verzerrtes Bild. In Städten wie Berlin, Wien, Zürich und Paris findest du Weinbars mit einem ernsthaften Naturweinprogramm gut. Frag den Sommelier nach Flaschen, die er oder sie persönlich kennt, und lass dich basierend auf deinem eigenen Geschmacksprofil beraten.

Auf Reisen lässt sich eine Erkundung dieses Weinstils gut mit einem Besuch in einer Region verbinden, in der die Bewegung tief verwurzelt ist. Das Burgund zählt immer mehr Produzenten, die biologisch oder biodynamisch arbeiten und im Keller wenig eingreifen, auch wenn sie sich selten ausdrücklich "naturel" nennen. Der Priorat in Spanien hat eine neue Generation von Winzern, die zu alten Techniken und minimaler Schwefelzugabe zurückkehren. Und in dem Alentejo in Portugal arbeiten kleinere Häuser mit lokalen Rebsorten auf eine Weise, die den Grundprinzipien der Bewegung entspricht, auch wenn sie sich nicht ausdrücklich unter dem Begriff "Natur" einordnen.

Naturwein ist kein Hype, der vorüberzieht, aber auch keine universelle Antwort auf alles, was in der konventionellen Weinwelt angeblich falsch läuft. Es ist eine Philosophie, getragen von Produzenten, die glauben, dass weniger Steuerung zu mehr Ehrlichkeit im Glas führt. Manchmal haben sie recht. Manchmal auch nicht. Und genau diese Spannung macht es lohnenswert, selbst zu probieren und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Mehr Hintergrundwissen darüber, wie du einen Wein lesen und beurteilen lernst, findest du in unserem Leitfaden zum Verkosten wie ein Profi.

Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.

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Door Kevin & Frank van Wijntripje

Wij reizen zelf door de Europese wijnstreken; bij wijnhuizen en wijnen zie je precies wat we zelf bezochten en proefden. Lies mehr über uns und unsere Arbeitsweise