Die kurze Antwort: Orange und Avignon liegen 30 Kilometer auseinander im Herzen der südlichen Rhône und sind beide eine gute Basis für eine Weinreise. Orange ist klein, günstig und ruhig, liegt zehn Minuten von Châteauneuf-du-Pape entfernt und besitzt das am besten erhaltene römische Theater Europas. Avignon ist größer, mit dem Papstpalast, deutlich mehr Restaurants und einem TGV-Bahnhof mit direkten Zügen nach Paris, ist im Juli durch das Theaterfestival aber überlaufen und teuer. Wähle Orange für eine Weinreise mit dem Auto, Avignon für einen Städtetrip mit Wein oder wenn du mit dem Zug anreist.
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Wer "Orange Frankreich" sucht, sucht meist eines von zwei Dingen: wie sich die Stadt zu Avignon verhält, und ob sie ein guter Ort zum Übernachten während einer Rundreise durch die Provence oder die Rhône ist. Die Antwort auf beides ist überraschend positiv. Orange ist keine Sehenswürdigkeit von Weltformat wie Avignon, aber gerade deshalb eine angenehme, erschwingliche Basis für alle, die zum Weinverkosten in die Weinregion Rhône kommen. Dieser Artikel vergleicht die beiden Städte in den Punkten, die für Weinreisende zählen: Entfernung zu den Weinbergen, Preise, Erreichbarkeit, Essen und was du sehen kannst, wenn die Probierstuben geschlossen sind.
Wo sie liegen
Avignon liegt an der Rhône dort, wo die Durance in sie mündet, am Südrand der Weinregion. Orange liegt 30 Kilometer nördlicher, etwas vom Fluss entfernt, an der A7 und der A9. Genau zwischen beiden liegt Châteauneuf-du-Pape: zehn Minuten von Orange, fünfzehn bis zwanzig Minuten von Avignon entfernt. Die Dörfer der Dentelles de Montmirail, Gigondas, Vacqueyras und Beaumes-de-Venise liegen 25 Minuten von Orange und 40 Minuten von Avignon entfernt. Tavel und Lirac auf der anderen Flussseite liegen 20 Minuten von beiden Städten entfernt.
Für alle, die täglich zu den Weinbergen fahren, liegt Orange also zentraler. Für alle, die die Weinregion mit der Provence, den Alpilles, der Camargue oder Arles kombinieren, liegt Avignon günstiger, als Scharnier zwischen Rhône und Mittelmeer. Alles über die Dörfer und was du dort verkostest, liest du in unseren Guides zu Châteauneuf-du-Pape und den Dörfern rund um die Dentelles.
Orange: römisches Theater und ein ruhiges Zentrum
Orange hat 30.000 Einwohner und ein kompaktes Zentrum aus gelbem Kalkstein rund um das Théâtre antique, das am besten erhaltene römische Theater Europas. Die 37 Meter hohe und 103 Meter breite Bühnenwand steht noch vollständig, was sonst nirgendwo in der römischen Welt der Fall ist, und Ludwig XIV. nannte sie die schönste Mauer seines Königreichs. Das Theater steht seit 1981 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, zusammen mit dem Arc de Triomphe am Nordrand der Stadt, einem dreifachen Triumphbogen aus dem ersten Jahrhundert mit Reliefs gallischer Kriegsgefangener und Seeschlachten. Der Eintritt für das Theater und das Museum gegenüber liegt bei rund 11 €, inklusive Audioguide; plane anderthalb Stunden ein. Vom Hügel Saint-Eutrope hinter dem Theater blickst du über die Stadt und die Weinberge bis zum Mont Ventoux.
Außerhalb des Theaters ist Orange eine gewöhnliche provenzalische Provinzstadt: ein Markt am Donnerstagmorgen, der die halbe Altstadt füllt, Platanen auf der Place de la République, eine Handvoll Bistros und wenig Touristen. Das ist genau der Vorteil. Hotels kosten in der Saison 70 bis 110 € pro Nacht für ein Dreisternezimmer, Parken rund ums Zentrum 8 € pro Tag oder kostenlos etwas weiter draußen, und eine Reservierung im Restaurant ist außerhalb der Festivalwochen selten nötig.
Was Orange fehlt: Nachtleben, Auswahl an Restaurants oberhalb des Bistro-Niveaus und die Atmosphäre einer Stadt, die man ihrer selbst wegen besucht. Nach einem Tag hast du sie gesehen. Als Basis für fünf Tage Wein ist das aber kein Nachteil, tagsüber bist du ohnehin in den Dörfern unterwegs.
Die Chorégies
Eine Zeit ist anders: Im Juli und Anfang August finden die Chorégies d'Orange statt, das älteste Musikfestival Frankreichs, mit Oper und Konzerten im römischen Theater unter freiem Himmel. Die Akustik der Bühnenwand ist berühmt, die Karten kosten ab 25 € für die hinteren Reihen und sind Monate im Voraus im Verkauf. Hotels in Orange sind dann ausgebucht, wenn auch noch immer ruhiger als Avignon in denselben Wochen.
Avignon: Päpste, Brücke und Festival
Avignon hat 90.000 Einwohner und ein vollständig von Mauern umschlossenes Zentrum, mit dem Papstpalast als Mittelpunkt: dem größten gotischen Palast Europas, erbaut zwischen 1335 und 1364, als die Päpste hier residierten statt in Rom. Der Palast, die Pont Saint-Bénézet (die Brücke aus dem Kinderlied, von deren ursprünglich 22 Bögen noch vier stehen) und die Kathedrale stehen gemeinsam auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste. Der Eintritt für den Palast liegt bei rund 12 €, ein Kombiticket mit der Brücke bei 15 €; das Tablet mit Rekonstruktionen der bemalten Säle lohnt sich. Plane zwei Stunden ein. Auf der anderen Flussseite, auf der Île de la Barthelasse, hast du den berühmten Blick auf Palast und Brücke, und im Sommer eine kostenlose Fähre.
Avignon ist zudem eine echte Stadt: Hunderte Restaurants, von Sterneküche bis nordafrikanisch, Boutiquen in der Rue des Teinturiers entlang des Kanals mit den alten Mühlrädern, Museen (das Musée Angladon mit Van Gogh und Cézanne, die Collection Lambert für zeitgenössische Kunst) und ein Markt in Les Halles, der täglich außer montags geöffnet hat. Hotels im Zentrum kosten in der Saison 100 bis 180 € pro Nacht, Parken innerhalb der Stadtmauern bis zu 20 € pro Tag; parke kostenlos auf der Île de la Barthelasse oder beim P+R Les Italiens und nimm den kostenlosen Pendelbus.
Das Festival: Juli meiden oder gerade dann kommen
Drei Wochen im Juli ist Avignon Schauplatz des Festival d'Avignon, des größten Theaterfestivals Europas, mit über 1.500 Vorstellungen im offiziellen Programm und im Off. Die Stadt hängt dann voller Plakate, jeder Innenhof wird zur Bühne und die Straßen sind bis tief in die Nacht belebt. Fantastisch, wenn du dafür kommst, aber nicht zu empfehlen, wenn du wegen des Weins kommst: Hotelpreise verdoppeln sich, Restaurants sind ausgebucht und die Ruhe in den Weindörfern ist dann ebenfalls dahin. Buche für eine Weinreise im Juli lieber in Orange oder in einem Dorf, und fahre an einem Abend nach Avignon, um die Atmosphäre zu schnuppern.
Erreichbarkeit: Zug, Auto, Flugzeug
Avignon gewinnt beim Zug. Der Bahnhof Avignon TGV, fünf Kilometer außerhalb des Zentrums, hat direkte TGVs nach Paris in 2 Stunden 40 Minuten und nach Lyon in einer Stunde. Von Deutschland aus erreichst du Avignon über Paris: mit dem ICE oder TGV nach Paris Gare de Lyon (je nach Startort direkt oder mit Umstieg in Paris) und von dort weiter mit dem TGV in den Süden, insgesamt meist 7 bis 9 Stunden, je nach Abfahrtsort in Deutschland. Ein lokaler Pendelzug verbindet Avignon TGV in sechs Minuten mit dem Bahnhof im Zentrum. Orange hat nur einen Regionalbahnhof an der Strecke Avignon-Lyon, mit TER-Zügen in einer Viertelstunde nach Avignon Centre.
Mit dem Auto macht es wenig Unterschied: Von Frankfurt aus sind es nach Orange rund 870 Kilometer und nach Avignon rund 900 Kilometer, beide etwa 8,5 bis 9,5 Stunden über Straßburg, Lyon und die A7, mautpflichtig auf den letzten Teilstrecken in Frankreich. Die meisten Reisenden teilen die Fahrt mit einer Übernachtung im Elsass oder in Burgund. Orange hat den Vorteil, dass du die A7 verlässt, bevor die verkehrsreiche Zone rund um Avignon beginnt. Fliegen kannst du nach Marseille, eine Stunde Fahrt von beiden Städten entfernt, oder nach Lyon, 2 Stunden bis Avignon. Mietwagen gibt es am Bahnhof Avignon TGV, in Marseille und in Lyon; in Orange ist das Angebot begrenzt.
Vor Ort brauchst du in beiden Fällen ein Auto. Die Weindörfer sind mit dem Bus kaum erreichbar, auch wenn im Sommer eine einzelne Linie von Avignon nach Châteauneuf-du-Pape fährt. Eine Alternative ist ein organisierter halber oder ganzer Tag mit Guide ab Avignon, für 90 bis 150 € pro Person inklusive Verkostungen; das löst auch das Problem, dass der Fahrer nicht probieren darf.
Essen und Trinken in beiden Städten
In Orange isst du einfach und provenzalisch: Lammfleisch, Daube, Pistou, eine gute Pizza. Rund um die Place de la République und die Place aux Herbes gibt es Bistros mit Lunchmenüs von 18 bis 25 €. Die Weinkarten sind kurz, aber lokal, mit Châteauneuf-du-Pape im Glas für 7 bis 10 €. Für einen Abend mit mehr Ambition fährst du nach Châteauneuf-du-Pape selbst oder in eines der Dörfer.
Avignon ist die gastronomische Stadt der Region. La Mirande, in einem Palast hinter dem Papstpalast, ist das klassische Sterne-Erlebnis; Christian Étienne neben dem Palast und Pollen in der Rue Joseph Vernet sind die modernen Alternativen, mit Menüs ab 60 €. Für weniger Geld isst du hervorragend in der Rue des Teinturiers oder in Les Halles, wo samstagmorgens ein Koch mit dem kocht, was der Markt an diesem Tag bietet. Weinbars gibt es im Überfluss; AOC in der Rue de la Bonneterie und La Cave des Pas Sages in der Rue des Teinturiers schenken die gesamte Rhône glasweise aus, eine ideale Art, vorab zu probieren, was du am nächsten Tag besuchen wirst. Laut Decanter ist Avignon eine der besten Weinstädte Frankreichs, gerade wegen dieser Kombination aus Weinbars und Nähe zu den Appellationen.
Tagesplanung ab beiden Städten
Ab Orange, drei Tage. Tag 1: vormittags römisches Theater, nachmittags Verkostung in Châteauneuf-du-Pape, zehn Minuten entfernt. Tag 2: Gigondas, Vacqueyras und Beaumes-de-Venise rund um die Dentelles, 25 Minuten. Tag 3: Cairanne, Rasteau und der Samstagsmarkt von Vaison-la-Romaine, oder über den Fluss nach Tavel und Lirac. Alles innerhalb einer halben Stunde.
Ab Avignon, drei Tage. Tag 1: Papstpalast und Brücke am Vormittag, nachmittags Châteauneuf-du-Pape, zwanzig Minuten. Tag 2: Tavel und Lirac auf der anderen Seite, und auf dem Rückweg Villeneuve-lès-Avignon mit dem Fort Saint-André für den Ausblick. Tag 3: die Dentelles, 40 Minuten, oder ein Provence-Tag nach Saint-Rémy und Les Baux. Wer länger bleibt, fährt einen Tag nach Norden für Tain-l'Hermitage und die Syrah vom Granit, anderthalb Stunden über die A7.
Preise im Vergleich
- Hotel, Dreisterne, Mai oder September: Orange 70 bis 110 €; Avignon 100 bis 180 €. Im Juli: Orange 90 bis 140 €, Avignon 180 bis 300 €.
- Parken pro Tag: Orange 0 bis 8 €; Avignon 0 € (Barthelasse) bis 20 € (innerhalb der Mauern).
- Lunchmenü: Orange 18 bis 25 €; Avignon 22 bis 35 €.
- Eintritt Hauptsehenswürdigkeit: Theater Orange 11 €; Papstpalast 12 €, mit Brücke 15 €.
- Fahrzeit nach Châteauneuf-du-Pape: Orange 10 Minuten; Avignon 15 bis 20 Minuten.
Welche Stadt wählst du?
Wähle Orange, wenn du mit dem Auto anreist, hauptsächlich Wein verkosten willst, ein begrenztes Budget hast und Ruhe schätzt. Das römische Theater ist eine Sehenswürdigkeit, um die dich viel größere Städte beneiden würden, und die Nähe zu Châteauneuf-du-Pape und den Dentelles ist unübertroffen. Wähle Avignon, wenn du mit dem Zug anreist, die Weinreise mit einem Städtetrip verbindest, abends gerne essen gehst und Auswahl bei Restaurants und Weinbars willst. Meide Avignon im Juli, es sei denn, du kommst wegen des Festivals.
Eine dritte Option ist, direkt in den Weinbergen zu übernachten: in Châteauneuf-du-Pape, Gigondas oder Séguret gibt es kleine Hotels und Chambres d'hôtes, wo dir abends der Winzer begegnet. Weniger Auswahl, früh buchen, aber die direkteste Art, die Region kennenzulernen. Für welche Variante du dich auch entscheidest, lies zuerst unsere Erklärung zu Côtes du Rhône, Villages und Crus, damit du in den Probierstuben weißt, was in deinem Glas ist, und greif schon mal zu einer Flasche aus unserer Auswahl an Syrah-Weinen, um zu Hause in Stimmung zu kommen. Alle praktischen Informationen zu Reise, Klima und Jahreszeit findest du auf unserer Seite über die Weinregion Rhône.