Die kurze Antwort: Beaune, Frankreich ist das kommerzielle und kulturelle Herz der burgundischen Weinwelt und eine ideale Basis, um die Côte de Beaune zu erkunden. Die Stadt verbindet mittelalterliche Architektur mit einer dichten Konzentration an Weinhäusern, Kellern und Restaurants. Ein Aufenthalt von zwei bis drei Nächten gibt dir genug Zeit, die Stadt und die umliegenden Weinberge wirklich kennenzulernen.
Übernachten in Beaune? Hotels und B&Bs auf Booking.com ansehen →
Wer zum ersten Mal nach Beaune reist, wird schon bei der Ankunft von der mittelalterlichen Stadtmauer beeindruckt, die die Altstadt umschließt. Der Wassergraben ist noch da, die Stadttore stehen noch, und hinter diesen Mauern dreht sich das tägliche Leben größtenteils um Wein. Das ist keine touristische Übertreibung, sondern schlicht die Realität einer Stadt, in der Keller tiefer reichen, als Häuser hoch sind. Weinhäuser wie Maison Joseph Drouhin und Domaine Leflaive haben ihre Wurzeln in oder nahe bei Beaune und repräsentieren die ganze Bandbreite dessen, was das Burgund zu bieten hat.
Was Beaune als Weinstadt besonders macht
Beaune ist seit Jahrhunderten das kommerzielle Zentrum des burgundischen Weinhandels. Große Négociant-Häuser ließen sich hier nieder, weil die Stadt am Kreuzungspunkt der Handelsrouten nach Paris, in die Südlichen Niederlande und nach Italien lag. Diese Geschichte ist spürbar präsent: Die Keller unter der Stadt erstrecken sich teilweise über Kilometer und stammen zum Teil aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert. Die Côte de Beaune umfasst insgesamt rund 3.500 Hektar bestockte Rebfläche, verteilt auf Dutzende Appellationen.
Das bekannteste Gebäude ist das Hôtel-Dieu, auch Hospices de Beaune genannt. Dieses gotische Hospital aus dem Jahr 1443, gestiftet von Nicolas Rolin als Wohltätigkeitseinrichtung, besitzt noch heute Weinberge und organisiert jedes Jahr im November die berühmte Weinauktion. Diese Auktion, die Vente des Hospices de Beaune, gilt als eine der ältesten und meistbeachteten Weinauktionen der Welt. Decanter und Wine Spectator verfolgen die Ergebnisse genau als Barometer für die Marktpreise des Burgund. Im Jahr 2023 erzielte die Auktion über 17 Millionen Euro. Das Hôtel-Dieu ist täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, außer am 25. Dezember. Der Eintritt kostet rund 10 Euro, und der Besuch dauert eineinhalb bis zwei Stunden.
Ehrlich gesagt hat Beaune auch eine Kehrseite. In der Hochsaison strömen die Reisebusse in die Stadt, und manche Caves im Zentrum richten sich zunehmend an die Masse statt an den ernsthaften Weinliebhaber. Die Kommerzialisierung macht sich besonders in der Rue de Lorraine und Umgebung bemerkbar, wo Verkostungen manchmal eher an eine Weinboutique als an den Besuch eines authentischen Weinguts erinnern. Wer den echten Winzer treffen möchte, sucht besser außerhalb der Stadtmauern.
Die Weine der Côte de Beaune: Beaune, Frankreich als Verkostungsort
Die Côte de Beaune ist der südliche Teil der Côte d'Or und erstreckt sich von Aloxe-Corton im Norden bis Santenay im Süden. Das Gebiet umfasst Appellationen wie Meursault, Puligny-Montrachet, Chassagne-Montrachet, Pommard, Volnay und Beaune selbst. Alle Weißweine der Region bestehen zu 100 Prozent aus Chardonnay. Die Rotweine bestehen zu 100 Prozent aus Pinot Noir.
Übernachten in Meursault? Hotels und B&Bs auf Booking.com ansehen →
Meursault und Puligny-Montrachet zeigen, wie groß der Stilunterschied bei derselben Rebsorte sein kann. Meursault liegt größtenteils auf kimmeridgischem Ton mit einem Kalksteinuntergrund, was die typisch volle, buttrige Textur erklärt. Puligny-Montrachet weist eine höhere Konzentration reinen Kalks im Boden auf, was zu einem strafferen, mineralischeren Profil mit mehr saftigem Zitruscharakter führt. Wine Advocate vergab an den Domaine Leflaive Puligny-Montrachet Les Pucelles 2020 eine Bewertung von 96 Punkten (Erin Brooks, 2022), eine Bestätigung dafür, dass dieses Weingut zur Spitze der Appellation gehört. Jancis Robinson beschrieb den Stil von Meursault treffend als "von Natur aus großzügig, aber mit genug Struktur, um gut zu reifen".
Im roten Bereich liefert Pommard kräftige, tanninreiche Pinot Noirs, die sich gut lagern lassen. Volnay produziert elegante, leichtfüßige und blumenreiche Weine. Die Appellation Beaune selbst verfügt über 42 Premiers Crus, eine außergewöhnlich hohe Zahl für eine Stadt dieser Größe. Mehr Hintergrund dazu, wie das Klassifikationssystem im Burgund funktioniert, findest du in unserer Erklärung zu Premier Cru und Grand Cru.
Eine ehrliche Warnung gehört hier hin: Grand-Cru-Weine aus der Côte de Beaune beginnen schnell bei 80 bis 150 Euro pro Flasche, und Premier Crus renommierter Weingüter kosten zwischen 40 und 90 Euro. Wer mit einem begrenzteren Budget reist, findet ausgezeichnete Qualität in der Appellation Bourgogne Blanc und bei Weinen aus der Côte Chalonnaise südlich von Beaune.
Ein persönlicher Moment bei Domaine Patrick Javillier
Bei einem Besuch im September 2023 verkostete ich bei Domaine Patrick Javillier einen 2020er Meursault Clos du Cromin, der nach zwanzig Minuten im Glas mit Haselnuss, weißer Blüte und einem auffallend frischen Zitrusunterton aufblühte. Der Winzer ließ uns auch einen unetikettierten 2021er direkt aus dem Fass probieren, ein Wein, der noch scharf und verschlossen war, aber schon deutlich machte, wohin er sich entwickeln würde. Solche Besuche, bei denen man den Wein zu verschiedenen Zeitpunkten seiner Entwicklung verfolgen kann, rechtfertigen den Aufwand einer Reservierung allemal. Bei kleineren Weingütern wie Javillier arbeitet man ausschließlich nach Vereinbarung, und das ergibt eine ganz andere Erfahrung als eine Verkostung in einer kommerziellen Cave in der Rue de Lorraine.
Welche Jahrgänge sind jetzt interessant?
Der Jahrgang 2020 wird von Robert Parker und seinen Nachfolgern bei Wine Advocate als ausgezeichnet für die Côte de Beaune bewertet: reife Frucht, gute Konzentration, mit genug Säure, um lange zu reifen. Der 2019er ist kraftvoller und reifer, mit etwas höheren Alkoholwerten infolge eines warmen Sommers. Wer die Weine kurzfristig trinken möchte, dem sei 2022 empfohlen: zugänglich schon jetzt, aber auch mit Potenzial für die kommenden zehn Jahre. Decanter vergab dem Jahrgang 2022 in der Côte de Beaune einen Durchschnitt von 96 Punkten.
Was man in Beaune unternehmen kann: mehr als nur verkosten
Beginne deinen Tag früh. Gegen acht Uhr morgens ist das Stadtzentrum noch ruhig, die Bäckereien haben gerade geöffnet, und die kühle Luft, die aus den Kellern aufsteigt, vermischt sich mit dem Duft von frischem Brot. Diese Stunde, bevor die ersten Reisebusse ankommen, gibt dir ein ehrlicheres Bild davon, wie sich die Stadt wirklich anfühlt.
Das Hôtel-Dieu ist ein Pflichtbesuch, auch wenn du es schon auf Fotos gesehen hast. Die bemalten Dachziegel in Grün, Schwarz und Gold wirken in Wirklichkeit eindrucksvoller als auf jedem Bild. Im Inneren siehst du die historische Apotheke, den großen Krankensaal mit Holzbetten, die jahrhundertelang in Gebrauch waren, und das Polyptychon von Rogier van der Weyden. Das Musée du Vin de Bourgogne, untergebracht im ehemaligen Palast der Herzöge von Burgund, ist täglich von 9:30 bis 18:00 Uhr geöffnet (außerhalb der Hochsaison dienstags geschlossen). Der Eintritt kostet etwa 5 Euro und bietet einen guten historischen Überblick über den Weinbau der Region.
Für Weinverkostungen bei den größeren kommerziellen Caves in Beaune brauchst du oft keine Reservierung, bei kleineren Weingütern ist das jedoch unbedingt erforderlich. Schreibe eine E-Mail auf Französisch, das wird geschätzt und erhöht die Chance auf einen persönlichen Empfang. Die Cave des Cordeliers in der ehemaligen Klosterkirche bietet eine beeindruckende Kulisse für eine erste Begegnung mit den regionalen Weinen.
Außerhalb der Stadt: Nimm die D18 Richtung Pommard und Volnay für eine entspannte Weinroute entlang der Côte de Beaune. Die Straße verläuft direkt an den Weinbergen entlang. Bei schönem Wetter lohnt sich ein Stopp am Aussichtspunkt oberhalb von Meursault. Ein Höhenunterschied von manchmal nur wenigen Dutzend Metern hat enormen Einfluss auf das Mikroklima und damit auf das Geschmacksprofil des Weins. Wenn du einen Besuch im nahegelegenen Weingut planst, ist unser Guide zur Weinverkostung bei Château de Meursault eine nützliche Vorbereitung.
Praktische Tipps für deinen Besuch in Beaune
- Hochsaison: Juli und August sind stark besucht. Hotels sind manchmal Monate im Voraus ausgebucht, und bei beliebten Weingütern sind Wartezeiten realistisch. Erwäge einen Besuch im Mai, Juni oder September.
- Verkostungen im Voraus reservieren: Kleinere Weingüter arbeiten ausschließlich nach Vereinbarung. Schreibe eine E-Mail auf Französisch, das wird geschätzt.
- Auto oder Fahrrad: Ohne eigenes Fahrzeug bist du auf die Stadt selbst beschränkt. Ein Fahrrad kannst du in Beaune für etwa 15 bis 25 Euro pro Tag mieten, ideal für die flache Route entlang der Côte.
- Sprachbarriere: In der Stadt kommst du mit Englisch gut zurecht. Bei kleinen Hofgütern außerhalb der Stadt ist Französisch praktisch unverzichtbar.
- Budget: Rechne mit 180 bis 350 Euro pro Nacht für ein komfortables Hotel im Stadtzentrum. Günstigere Optionen findest du in den umliegenden Dörfern.
- Parken: Es gibt kostenpflichtige Parkplätze direkt an den Stadttoren. Fahre nicht in die Altstadt hinein, die Straßen sind eng und die Zufahrt eingeschränkt.
Wer sich mehr Zeit nehmen möchte, um das gesamte Burgund zu erkunden, findet in unserem Guide zur besten Weinroute durch das Burgund ein vollständiges Reiseprogramm von Nord bis Süd.
Wo du in Beaune übernachten kannst
Die Wahl der Unterkunft bestimmt zu einem großen Teil die Atmosphäre deines Aufenthalts. Die Altstadt verfügt über eine Handvoll Boutique-Hotels, eingerichtet in alten Steingebäuden mit gewölbten Kellern. Hotel Le Cep in der Rue Maufoux ist ein Klassiker: Zimmer, die in Atmosphäre und Größe variieren, ein gutes Frühstück und eine Lage, die kaum besser sein könnte. Die Preise beginnen bei rund 180 Euro pro Nacht für ein Standardzimmer.
Wer lieber mitten in den Weinbergen übernachtet, findet in den umliegenden Dörfern ein wachsendes Angebot an Chambres d'hôtes und kleinen Boutique-Unterkünften. Meursault, Pommard und Volnay haben jeweils ein paar Adressen, bei denen du morgens buchstäblich auf die Weinberge blickst. Weitere Adressen und stimmungsvolle Optionen findest du in unserer Übersicht der schönsten Unterkünfte in der Weinregion Burgund.
Eine Warnung für alle, die weit im Voraus buchen: In der Woche der Hospices-Auktion im November ist Beaune ausgebucht. Restaurants, Hotels und selbst einfache Gästezimmer sind wochenlang im Voraus belegt, und die Preise liegen deutlich höher als normal. Dieselbe Hochsaison gilt für die Trois Glorieuses, das dreitägige Weinfest rund um die Auktion. Wer Ruhe sucht, wählt besser einen anderen Zeitraum.
Beaune als Ausgangspunkt für das weitere Burgund
Beaune liegt zentral genug für Tagesausflüge zur Côte de Nuits im Norden, mit Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée und Nuits-Saint-Georges. Die Entfernung von Beaune nach Dijon beträgt etwa 40 Kilometer und lässt sich bequem in einer halben Stunde fahren. Wer die Pinot Noirs der Côte de Nuits mit denen der Côte de Beaune vergleichen möchte, findet in unserem Guide zur Côte de Nuits eine gute Einführung.
Nach Süden bietet die Côte Chalonnaise eine gute Alternative für alle, denen die großen Formate der Côte d'Or zu teuer sind. Mercurey, Givry und Rully produzieren ehrliche, zugängliche Weine zu einem Bruchteil des Preises. Und noch weiter im Süden warten die