Reims ist keine naheliegende Wahl, wenn du pur auf der Suche nach einer ruhigen Weinreise bist. Die Stadt ist groß, belebt und manchmal überwältigend für alle, die lieber zwischen Weinbergen stehen als zwischen Touristen. Doch wer einmal in die Kreidekeller unter der Stadt hinabsteigt, versteht, warum Reims die unangefochtene Hauptstadt der Champagne ist. Hier reifen Millionen Flaschen auf ihrer Hefe, in einem Labyrinth von Gängen, das stellenweise zwölf Meter tief in den Kreidefelsen reicht. Die Stadt verdient einen Besuch zu ihren eigenen Bedingungen.
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Warum Reims der Ausgangspunkt für jede Champagnerreise ist
Die Stadt ist mit dem Thalys oder TGV von Paris aus in 45 Minuten erreichbar, was Reims auch als Tagesausflug machbar macht. Realistischer ist jedoch ein Wochenende, wenn du die Champagnerhäuser ernsthaft erkunden möchtest. Die meisten großen Häuser liegen in der Nähe des Bahnhofs: Taittinger, Mumm, Veuve Clicquot, Pommery. Sie bieten Führungen an, die wöchentlich Zehntausende Besucher anziehen, und das merkst du.
In der Hochsaison, von Juni bis September, sind die beliebtesten Kellerführungen Wochen im Voraus ausgebucht. Taittinger, dessen Keller in ehemalige römische Kreideminen gehauen sind, verlangt eine Reservierung mindestens zwei Wochen im Voraus. Pommery, bekannt für die spektakulären Jugendstilgebäude und die 18 Kilometer langen Gänge in 30 Metern Tiefe, erfordert dieselbe Planung. Wer das vergisst und im August ankommt, zahlt für eine Last-Minute-Tour über einen externen Anbieter leicht das Doppelte. Komm am besten im April, Mai oder Oktober. Dann sind die Keller ruhiger und die Guides nehmen sich mehr Zeit für ihre Erklärungen.
Die Kreidekeller: was deine Sinne erleben
Die Kellerführung bei Taittinger beginnt draußen in der Sonne. Du gehst eine schmale Steintreppe hinab, und nach zehn Stufen verschwindet das Tageslicht vollständig. Die Temperatur sinkt auf 10 Grad Celsius, konstant das ganze Jahr über. Es riecht nach feuchtem Stein und einem Hauch Hefe. Deine Augen gewöhnen sich langsam an das Dunkel. Der Guide hob eine Flasche in die Höhe und erklärte, dass es sich bei dem Kalkgestein hier um Belemniten-Kreide handelt, entstanden aus mikroskopisch kleinen Muscheltierchen der Kreidezeit. Dieses poröse Gestein hält die Luftfeuchtigkeit stabil bei 95 Prozent, was für eine langsame, gleichmäßige Reifung essenziell ist.
Dieser Boden ist nicht einfach nur eine geologische Besonderheit. Die Belemniten-Kreide filtert das Regenwasser und versorgt die Rebstöcke mit einer konstanten, aber begrenzten Wassermenge, was zu konzentrierten, aromatisch komplexen Trauben führt. Wine Spectator beschrieb den Einfluss dieses Terroirs in einer ausführlichen Reportage als "one of the most distinctive soil signatures in the wine world". Die direkte Verbindung zwischen diesem Gestein und dem Geschmack des Weins: die typisch kalkige Mineralität und die feine Perlage, die für Champagner aus den Grands Crus wie Aÿ, Ambonnay und Cramant charakteristisch sind.
Die besten Champagnerhäuser in Reims für einen Besuch
Es gibt in Reims grob zwei Arten von Kellerbesuchen: die großen kommerziellen Touren bei den bekannten Häusern und die kleineren, intimeren Erlebnisse, die du selbst aufsuchen musst. Beide haben ihren Wert, aber erwarte nicht dasselbe.
Taittinger
Die Keller von Taittinger liegen teils in ehemaligen römischen Kreideminen aus dem 13. Jahrhundert, teils in Kellern, die die Benediktinermönche der Abtei Saint-Nicaise anlegten. Die Führung dauert im Schnitt 75 Minuten und endet mit einer Verkostung von zwei Champagnern. Der Brut Réserve ist der zugängliche Einstiegswein, eine Assemblage aus drei Rebsorten: 40 % Chardonnay, 35 % Pinot Noir und 25 % Pinot Meunier, mit einer Dosage von 9 Gramm pro Liter. Der Comtes de Champagne Blanc de Blancs 2013, ausschließlich aus Chardonnay von Grand-Cru-Parzellen, erhielt 96 Punkte bei Decanter. Ein Besuch mit Basisverkostung kostet je nach gewähltem Paket zwischen 18 und 35 Euro pro Person. Eine Reservierung über die Website ist verpflichtend.
Pommery
Die Pommery-Keller sind der visuell spektakulärste Kellerkomplex von Reims. Louise Pommery ließ sie 1868 anlegen und die Gänge mit den römischen Krypten verbinden, die bereits unter dem Gelände lagen. Die 18 Kilometer langen Gänge sind teilweise als Kunstgalerie eingerichtet: international eingeladene Künstler dürfen jedes Jahr einen Raum gestalten. Das verleiht der Tour eine andere Dimension als reine Weinbesichtigung. Der Preis variiert von 22 Euro für die Basisführung bis zu 75 Euro für eine Privattour mit ausführlicher Verkostung. Achtung: Die Tour führt 116 Stufen in die Tiefe. Besucher mit eingeschränkter Mobilität können nicht die gesamte Strecke zurücklegen, und die Website weist auch explizit darauf hin.
Mumm
Mumm ist von den drei großen Namen in Reims der kommerziellste, hat aber den Vorteil, dass außerhalb der Hochsaison täglich Touren ohne Reservierung verfügbar sind. Der Cordon Rouge ist der meistverkaufte Champagner des Hauses, ein zugänglicher Stil mit rund 9,5 Gramm Dosage pro Liter. Mumm Blanc de Blancs Grand Cru ist für Kenner interessanter. Die Touren kosten zwischen 16 und 50 Euro.
Kleinere Adressen abseits der großen Namen
Wer die überlaufenen Touren meiden möchte, reserviert sich besser einen Tag für den Besuch bei einem Récoltant-Manipulant in den umliegenden Dörfern. Das sind Winzer, die ihre eigenen Trauben anbauen und ausbauen. In Bouzy, einem Dorf 25 Autominuten von Reims entfernt, das eine Échelle-des-Crus-Klassifizierung von 100 % trägt, sind solche Besuche persönlicher und lehrreicher. Der Guide bei Taittinger bezeichnete Bouzy als "das Grand-Cru-Dorf, das jeder Chardonnay-Liebhaber kennen sollte", und verwies dabei auf die außergewöhnliche Lage an den Südosthängen der Montagne de Reims.
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- Taittinger: 9 Place Saint-Nicaise, täglich geöffnet, Touren von 18 bis 55 Euro, Reservierung in der Hochsaison verpflichtend.
- Pommery: 5 Place du Général Gouraud, täglich geöffnet, Touren von 22 bis 75 Euro, nicht vollständig barrierefrei für Besucher mit eingeschränkter Mobilität.
- Mumm: 34 Rue du Champ de Mars, täglich geöffnet, Touren von 16 bis 50 Euro, außerhalb der Hochsaison ohne Reservierung.
- Récoltants in Bouzy: persönlicher Besuch, Reservierung per E-Mail, kostenlos oder bis 15 Euro für eine Verkostung.
Die Kathedrale und die Stadt
Die Cathédrale Notre-Dame de Reims ist neben den Kellern der Grund, warum Menschen nach Reims kommen. Die Kathedrale wurde im 13. und 14. Jahrhundert erbaut und diente als Krönungsort für 25 französische Könige. Die imposante Westfassade mit mehr als 2.300 Skulpturen ist ehrfurchtgebietend, doch es sind die Glasfenster von Marc Chagall im Chorumgang, die am längsten in Erinnerung bleiben. Sie haben einen tiefblauen Farbton, der das Licht in der Kirche auf besondere Weise filtert, ruhig und fast meditativ.
Ein Besuch der Kathedrale kostet nichts, doch ein Audioguide ist für 6 Euro erhältlich. Plane mindestens anderthalb Stunden ein. Früh morgens, kurz nach Öffnung um 7:30 Uhr, ist die Kathedrale nahezu leer. Das ist der Moment, in dem du den Raum wirklich erlebst, bevor die Reisegruppen eintreffen. Rund um die Kathedrale liegen außerdem der Palais du Tau (der ehemalige Erzbischofspalast, heute Museum) und die Abtei Saint-Rémi, ein UNESCO-Welterbe-Ensemble, das einen halben Tag verdient.
Was kostet ein Besuch in Reims?
Die Eintrittspreise für die drei bekanntesten Kellerführungen liegen in ähnlicher Größenordnung, unterscheiden sich aber im Detail. Bei Taittinger zahlst du 18 bis 35 Euro für die Standardführung mit Verkostung, bei Pommery beginnt die Basisführung bei 22 Euro und die Privattour kann bis zu 75 Euro kosten. Bei Mumm steigst du am günstigsten ein: Die Touren beginnen bei 16 Euro. Wenn du mehrere Häuser besuchen und auch eine Flasche mitnehmen möchtest, bist du für Kellerbesuche allein schnell bei 80 bis 120 Euro. Rechne zusätzlich mit 6 Euro für einen Audioguide in der Kathedrale und eventuell einem Eintritt für den Palais du Tau.
Für eine Übernachtung in der Stadt zahlst du üblicherweise 120 bis 180 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer in einem guten Zentrumshotel. Essen ist in Reims nicht günstig: Ein ordentliches Mittagessen mit einem Glas Champagner kostet schon 30 bis 45 Euro pro Person, ein Abendessen in einer Brasserie eher 50 bis 70 Euro. Ein realistisches Tagesbudget für zwei Personen, inklusive einer Kellerführung, Mittag- und Abendessen sowie Übernachtung, liegt zwischen 350 und 450 Euro.
Damit ist Reims teurer als vergleichbare französische Provinzstädte wie Troyes oder Colmar, was wenig überraschend ist. Der Champagnername zieht ein Publikum an, das an höhere Preise gewöhnt ist, und Gastronomie und Hotels stellen sich darauf ein. Wer das Budget schonen möchte, reserviert außerhalb der Hochsaison, wählt eine gezielte Kellerführung und füllt den Rest des Tages mit der kostenlosen Kathedrale und einem Stadtspaziergang. Das ist ebenfalls ein gutes Programm.
Praktisch: Budget, Erreichbarkeit und Planung
Reims ist teurer, als es auf den ersten Blick scheint. Ein Tagesbudget für zwei Personen, inklusive einer Kellerführung, Mittagessen und einer Flasche Champagner zum Mitnehmen, liegt schnell bei 150 bis 200 Euro. Übernachtest du in der Stadt? Ein gutes Hotel in Zentrumsnähe kostet je nach Saison im Schnitt 120 bis 180 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer. An Wochenenden im Juli und August sind die Preise höher und die Verfügbarkeit knapper.
Reims ist mit dem Auto gut erreichbar, etwa über die Autobahnen A4 und A26. Parken in der Innenstadt ist begrenzt möglich; nutze die Parkhäuser am Stadtrand und geh zu Fuß oder nimm die Straßenbahn. Der öffentliche Nahverkehr in der Stadt funktioniert gut. Für Ausflüge in die umliegenden Weindörfer ist ein Auto unverzichtbar, da die Dörfer nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Mietwagen sind am Bahnhof verfügbar.
Wer sich für die weitere Weinregion rund um Reims interessiert, findet auf der Champagne-Regionsseite einen vollständigen Überblick über Routen, Unterkünfte und Weinhäuser außerhalb der Stadt. Wer vergleichen möchte, wie andere französische Weinregionen sich zur Champagne verhalten, findet Orientierung im Artikel darüber, welche Weinregion in Frankreich zu dir passt. Und wer eine umfassendere Weinreise durch mehrere europäische Regionen plant, findet im Guide über die schönsten Weinrouten Europas einen guten Ausgangspunkt.
Reims ist nicht für jeden geeignet. Wer ruhige Weinberge, Spaziergänge zwischen den Reben und persönlichen Kontakt mit Winzern sucht, ist anderswo besser aufgehoben. Wer jedoch die Kombination aus großen Champagnerhäusern, architektonischer Schönheit und einer lebendigen Stadt sucht, findet hier ein Reiseziel, das seinen Preis wert ist. Komm im Frühjahr oder Herbst, reserviere deine Kellerführungen rechtzeitig und reserviere mindestens einen halben Tag für die Kathedrale. Die Stadt belohnt Vorbereitung.